Bommen Berend

Ansprache zur eröffnung der Ausstellung “Bommen Berend” in Coevorden am 11-12-1972.

Herr Bürgermeister! Meine Damen und Herren !
Liebe Nachbarn und Freunde !

Die Kanonen schweigen, der Lärm der Böller und Musketen ist verstummt!
Die Schlacht ist geschlagen, der Sieg errungen:

“Coevorden ontzet”!

Das war anno 1672. Vergeblich hatten die Truppen des Bischofs von Münster Groningen belagert und nür für ein halbes Jahr konnten sie die “:vortreffliche und als unüberwindlich geachte Festung Coevorden” halten. Karel Rabenhaupt und seine tapfere Manschaft hatten gesiegt und “Bommen Berend”hatte den Feldzug gegen die Niederlande endgültig verloren . Es ist die Erinnerung an diese Ereignisse vor 300 Jahren-an die Befreiung von Coevorden im Dezember 1672- die uns heute hier zusammen führt.
Meine Damen und Herren! Warum wollen wir uns in dieser Feierstunde, durch diese reich beschickte Ausstellung, - ich frage: warum wollen wir uns wieder an längst vergangenen Streit erinnern? Nun, es scheint mir ein gutes und heilsames Bemühen, Vergangenes nicht einfach begraben und vergessen zu wollen. VERGEBEN ja! VERGESSEN nein! Ist es doch klug, aus den Erfahrungen und Taten der Ahnen zu lernen, sich ein Beispiel an ihnen zu nehmen, wo sie Vorbild waren, sich WARNEN zu lassen, wo sie irrten und versagt haben.
Das Vorbild: Noch heute, nach 300 Jahren, gedenken die Bürger von Groningen, Coevorden, Enschede und an vielen anderen Orten in den Niederlanden des Heldenmutes ihrer Vorfahren, welche die Freiheit und Unanhängigkeit ihrer Heimat verteidigt haben. Liebe Freunde ! Wenn ich auch den Namen Eueres Feindes von damals trage, wage ich doch hinzuzufügen: glücklich seid Ihr, das Vorbild solcher Ahnen zu haben! Reich seid Ihr, wenn dieser Geist noch heute bei euch lebendig ist!
Die Warnung: Wir können heute- im Abstand von 300 Jahren leicht die Warnung erkennen welche jene Zeit uns gibt: es hat noch nie zu etwas Gutem gefürt, wenn frommer Eifer zu den Waffen gegriffen hat! Ob Petrus dem Malchus, dem Knecht des Hohenpriesters, das Ohr abschlug, ob Gottfried von Bouillon mit seinen Kreuzrittern das Heilige Land eroberte, ob die Spanier und Portugiesen die “Neue Welt” mit dem Schwert bekehren wollten- es hat sich jedesmal gezeigt, dass es so nicht geht!
Immer wieder verderben die menschlichen Schwächen und Laster, die egoistische Zielsetzung und das politische Kalkül die religiöse Rechnung. Das gilt auch für “Bommen Berend”, der glaubte, durch aktiven militärischen Angriff sein katholische Münsterland vor den von ihm so gehasste Kalvinern in Holland schützen zu müssen. Heute sehen wir, dass diese kriegerischen Unternehmungen im Ansatz verfehlt waren ! Wir können es also nicht bedaurn, dass sie deswegen zum misserfolg führen mussten.
Wenn Christoph Bernard selbst auch ganz fest und tief davon überzeugt war, dass er für eine gute Sache kämpfe und dass er in Erfüllung seiner Pflichten als Bischof und Fürst handele- er irrte! Aber Toleranz und Fairness gebieten uns, ihm die Ehrlichkeit seines wollens und die “bona fides” nicht abzustreiten.

Meine Damen und Herren! Noch diesen Gedanken lassen Sie mich hier aussprechen: Wir können aus der Stimmung und Situation von 1672 die Hass- und Greuel-Propaganda gegen ihn verstehen. Sie wird ja in sehr eindrücksvoller Weise hier in dieser Ausstellung dokumentiert. Aber heute, 300 Jahre später, vermögen wir auch kühler zu denken und gerechter zu urteilen. Auch da, wo “Bommen Berend” irrte, nämlich mit seinen Feldzügen gegen die benachbarten Niederländer, waren nicht Niedrigkeit und Bosheit die Motive seines Handelns. Gewiss: er war ein Sohn seiner Zeit, der Zeit des 30-järigen Krieges, der fürwahr ein Religionskrieg schlimmster Art war. Doch “das barocke Monstrum”, zu welchem ihn ein Simon de Vries und andere abgestempeld haben, - das war Christoph Bernard Galen gewiss nicht! Das laute Geschrei seiner Feinde bringt auch nicht die Spur eines Beweises für alle Schmähungen gegen den Bischop. Vielmehr steht für jeden Kenner seiner Geschichte die persönliche Lauterkeit, Sittenreinheit und tiefe Frömmigkeit des Bischofs ausser jedem Zweifel. Wir wissen sehr wohl, dass er sich darin weit und vorteilhaft unterschieden hat von fast allen Zeitgenossen und von seinen Brüdern im Fürstenrang und Bischofsamt. Es ist mir eine Freude, in diesem Zusammenhang hinweisen zu können auf ein soeben in Münster erschienenes Buch von Hern Professor Schroër (Galenkorrespondenz). Der Autor ist ja auch hier anwesend und es ist mir wirklich eine Freude, ihm in aller Öffentlichkeit für sein hochinteressantes Buch herzlich danken zu können ! Dieses Werk hat für die Kenntnis der Biographie Christoph Bernhards von Galen sehr viel Neues und vieles, was in Vergessenheit war, wieder hervorgebracht. Zum Beispiel den grossen Einflüss der strenggläubigen frommen Mutter des späteren Fürstbischofs auf ihren Sohn. Sie war evengelischen Bekenntnisses und ist erst einige Jahre vor der Bischofswahl ihres Sohnes katholisch geworden.
Auch aus dem Buche Schroërs ersehen wir wieder deutlich, dass Christoph Bernard tief durchdrungen war von dem Bewusstsein der Würde und Aufgaben, der Rechte und Pflichten, die ihm als Landesfürst und Bischofs von Münster zukamen. Von diesem hohen Ethos war er getragen. Dieses Ideal hat sein rastloses Leben ganz erfüllt. In dieser Doppelrolle als Bischof und Landesvater hat er Grosses und Bleibendes für sein Land geleistet.

Meine Damen und Herren!
Der Sieg der Holländer über Christoph Bernhard van Galen war hart erstritten! Durch Mut und Blut teuer verdient! Ihr Sieg ist voll Ehre; doch der Glanz ihres Ruhmer wird noch heller, wenn wir erkennen und wenn wir anerkennen, dass der besiegte Feind ihrer wert war! Wenn wir gelten lassen, dass “Bommen Berend” einer der ganz grossen, unvergessenen Männer seiner Zeit war!

Herr Bürgermeister! Sie hatten die grosse Güte, meine Frau und mich zu dieser Feier einzuladen. Wir danken Ihnen von Herzen für Ihre liebenswürdige Gastfreundschaft! Erlauben Sie mir, dass ich mich durch ein Geschenk, nämlich das Buch von Herrn Professor Schroër, bei Ihnen bedanke! Darüber hinaus haben Sie, obwohl Sie gewiss eine würdigene Person und einen geistvolleren Redner als mich gefunden hätten, mir die Ehre zugedacht, diese Austellung mit einer Ansprache zu eröffnen. Auch für dieses Zeichen Ihrer Toleranz danke ich aufrichtig! Ich denke mir, dass Sie wohl ein Symbol des Friedens darin sahen, ausgerechnet eine Christoph Bernhard Galen einzuladen, um diese Ausstellung zu eröffnen- diese Ausstellung, die vom “Bommen Berend”, meinem Uronkel handelt. So schliesst sich der Ring.
Meine Damen und Herren! Wie Sie, so hege auch ich den heissen Wunsch: es möge dieses Jubiläumsjahr 1972 und diese Ausstellung ein Zeichen endgültiger Versöhnung zwischen den Nachfahren der Feinde von 1672 sein. Unsere gute Nachbarschaft und Freundschaft soll niemals wieder getrübt werden! In diesem Sinne eröffne ich hiermit die Ausstellung!

“Coevorden Ontzet”

Ich danke Ihnen!